Vorwort zu den Bildern der Schöpfungsgeschichte


Die Schöpfungsgeschichte, wie sie im ersten Kapitel der Bibel (1. Mose 1, 1-31 und 2, 1 - 4) zu lesen ist, wurde im
6. Jahrhundert vor Christus niedergeschrieben.
Die Juden waren von den Babyloniern endgültig besiegt und Jerusalem und der Tempel zerstört worden.
Die Überlebenden wurden bis auf einige wenige nach Babylon deportiert. Dort lebten sie unter einer fremden
Kultur und einer fremden Religion, in welcher der Gott Marduk mit seinen vielen Nebengöttern verehrt wurde.
Nach dem Glauben der Babylonier hatte Marduk aus seiner besiegten Widersacherin Tiamat Himmel und Erde geformt
und ihre Trabanten zu Göttern der Sterne gemacht.
In dieser Situation formulierten die geistigen Köpfe der Juden ihren Glauben neu. Sie befreiten die Schöpfungsgeschichte von
allem mystischen Aberglauben und ließen die Naturgesetze einfach Naturgesetze sein. Natürlich orientierten sie sich in ihrem Bericht an das damals geltende naturwissenschaftliche Weltbild. Sie sahen die Erde als Scheibe, die auf einem Urmeer schwamm und von einer Kuppel überwölbt wurde, an deren Innenwand sich die Sterne bewegten.
Über der Kuppel war der Himmelsozean. Sie sagten, die Welt sei durch ein machtvolles Wort Gottes entstanden.
Der Gott, den schon ihre Vorväter und Propheten
bezeugt hatten, habe diese Welt mit allen Pflanzen, Tieren, Menschen erschaffen,
weil er sie gewollt habe.
Die zweite Schöpfungsgeschichte 2. Mose 4a -22) ist etwa 600 Jahre älter. Sie entstand, als die israelitischen
Nomadenstämme in das Kulturland Kanaan eindrangen und dort seßhaft wurden.
Auch sie ist eine Gegendarstellung zur Religion der Kanaaniter, die viele Naturgötter und Fruchtbarkeitsgöttinnen verehrten.
In meinen Bildern habe ich bewußt auf jede Symbolik und Mystik verzichtet.
Für jeden Schöpfungstag ist ein Bild entstanden.
Der Malgrund für die zweite, ältere Schöpfungsgeschichte ist im Gegensatz zur ersten, die auf Nessel gemalt wurde, eine Grastapete.
Als Auftrag benutzte ich für alle Bilder Dispersionsfarben.